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Ein Besucher des Berberfestes in Warmsen riet mir, mich in Frankreich umzusehen. Freundlicherweise liess er mir kurz nach dem Fest einige Adressen von französischen Züchtern zukommen.
Mit meinem konkreten Wunsch nach einer ca. drei- bis sechsjährigen Stute schrieb ich die Züchter in Frankreich an. Im März 1995 reiste ich dann eine Woche lang quer durch Frankreich und besuchte 8 von jenen Züchtern, die mir eine solche Stute angeboten hatten. Ich hatte meine Reise auf das Gebiet von Mittel- und Südfrankreich beschränkt. Der südlichste Punkt der Reise lag zwischen Perpignan und Andorra, der nördlichste ungefähr 300 km südlich von Paris. Auf dieser Reise lernte ich eine vielfältige Rasse kennen, da es bei den Berbern, wie bei den meisten Pferderassen, verschiedene Rassetypen gibt. Mit viel Fotomaterial kehrte ich in die Schweiz zurück. Ich hatte sehr schöne Pferde und Gestüte gesehen, leider aber auch das Gegenteil.
Die Qual der Wahl
Mir war nicht nur das Pferd wichtig, sondern auch die Umgebung aus der mein zukünftiger Freizeitpartner stammte. In ihrer Heimat werden die Berber als echte Familienmitglieder gehalten. So werden zum Beispiel die Zuchtstuten zum Abfohlen ins Zelt ihrer Besitzer genommen. Die Fohlen wachsen dann auch in der Familie und nicht wild auf. Diesem Umstand verdankt der Berber eine seiner wichtigsten Charaktereigenschaften, nämlich seinen ausgeprägten Bezug zum Menschen. Ich wollte ein Pferd, das so oder ähnlich aufgezogen worden war. Meine Wahl fiel schliesslich auf eine vierjährige Stute, eine Tochter von Tambour, gezogen aus einer tunesischen Stute. Sie stammt aus einer kleinen Zucht am Fusse der Pyrenäen. Dacsa war als halbjähriges Fohlen bereits franz. Champion ihrer Rasse und Altersklasse gewesen.
Dacsa kommt in die Schweiz
Die Erledigung der Formalitäten für die Einfuhr in die Schweiz erforderte einiges an Zeit, Geduld und Telefonspesen. Da ich als "normaler" Schweizer nicht berechtigt war, ein Pferd in die Schweiz zu importieren, musste ich den Auftrag zum Import der Stute einem importberechtigten Pferdehändler erteilen. Ende April war es aber dann geschafft, alle benötigten Papiere lagen bereit. Ich plante die Hin- und die Rückreise je in zwei Tagesetappen, mit einem Ruhetag dazwischen. Ich wollte ja weder Fahrer noch Pferd überfordern, immerhin galt es ca. 1800 km zurückzulegen.
Am letzten Freitag im April ging die Reise dann los. Das grosse Abenteuer unternahm ich in Begleitung meines Freundes und dessen Schwester. Wir hatten uns ein schönes, heisses Wochenende ausgesucht. Am Freitag abend fuhren wir los und übernachteten zum ersten Mal etwas ausserhalb von Genf in einem wunderschönen Hotel. Hier liessen wir uns kulinarisch so richtig verwöhnen. Wegen des heissen Wetters setzten wir unserer Reise am Samstag frühmorgens fort und erreichten im Verlaufe des Nachmittags unser Ziel. Lydia und Vincent, die Züchter meiner auserwählten Stute, erwarten uns bereits. Nach der doch langen Anreise genossen wir nun bei herrlichem Wetter eineinhalb Tage katalanische Gastfreundschaft. Am Montag morgen hiess es aber dann doch Abschied nehmen: Dacsa
von ihrer alten Heimat, Lydia und Vincent von ihrem ersten Berberfohlen und wir von unseren neuen Freunden.
Unser Tagesetappenziel - ein Wanderreitbetrieb in der Nähe von Chalon s/S - erreichten wir am späteren Nachmittag. Wir hatten Glück, der Besitzer des Reitbetriebes war sehr freundlich. Dacsa durfte zuerst ihre Beine in einem Paddock ein wenig vertreten. Sie hatte die Reise bis jetzt seht gut überstanden. Über nacht stellte ich sie dann aber in die Box und sie bekam eine Camarque-Stute als Stallnachbar. So kam sie sich nicht ganz verlassen vor, denn die anderen Pferde des Betriebes durften die Nacht nämlich auf der Weide verbringen.
Wiederum frühmorgens holten wir unser Pferd im Stall ab. Das nächste Etappenziel war der Zoll in Basel, dort waren wir um 14.00h angemeldet. Innerhalb nur einer Stunde waren die Formalitäten am Zoll erledigt und von nun an war Dacsa Schweizerin. Sie überstand die ganze Reise vorbildlich und kam gesund und munter in ihrer neuen Heimat an.
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